Teichrenaturierung

Teichrenaturierung

August 2025

Ein Erbe aus dem Eis: Das „Toteisloch“

Unser Teich ist kein gewöhnliches Gewässer. Er ist ein echter Methusalem! Entstanden ist er vor rund 10.000 bis 15.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit. Als sich die gewaltigen Gletscher zurückzogen, blieben riesige Eisblöcke in der Landschaft zurück, die von Schotter und Sedimenten überlagert wurden.

Man nennt das in der Geologie ein Toteisloch. Als dieser „Eiswürfel“ im Boden schließlich schmolz, hinterließ er eine tiefe Senke, die sich mit Grund- und Regenwasser füllte: unser Teich war geboren.

 

Vom Piraten-Floß zum Schweigen der Frösche

Früher war der Teich die Seele unseres Hofs:

Unsere Laufenten zogen ihre Bahnen.  
Libellen schimmerten im Sonnenlicht.  
Molche glitten durchs Wasser.  
Kröten und Laubfrösche erfüllten warme Abende mit ihrem unverwechselbaren Konzert.

Doch der Teich war mehr als nur ein Habitat für Tiere — er war auch ein Treffpunkt für uns Menschen:

Meine Brüder und ich haben mit unseren Freunden dort viel Zeit unserer Kindheit verbracht, sind mit dem selbstgebauten Floß der Familie Engert über das Wasser gestakt und haben „Pirat und Fischer“ gespielt (regelmäßiger Schiffbruch inklusive :D ).
Wir haben Blutegel mit einem an einer Schnur befestigtem Fleischstück gefangen, Froschlaich vor dem Austrocknen gerettet und die flinken Molche bestaunt.
 

Mein Vater Helmut und seine Geschwister erinnern sich: "Im Sommer wurde geplanscht, im Winter war der Teich das Stadion für Schlittschuhläufer und Eisstockschützen. Wir sind mit dem Naturkonzert der Laubfrösche aufgewachsen."

Doch in den letzten Jahren wurde es still. Sehr still.

Durch den sinkenden Grundwasserspiegel und das Laub der umstehenden Bäume, das über Jahrzehnte den Boden in dicken Schlamm verwandelte, verlandete der Teich zusehends. Wo früher Enten schwammen, breiteten sich Seggenbüschel aus. Das Habitat für Kröten, Laubfrösche und Libellen drohte endgültig zu ersticken. Zeit zu handeln.

 

Der Plan: Operation Verjüngungskur

In enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) – die übrigens total begeistert von unserem Vorhaben war – haben wir einen Rettungsplan geschmiedet. Die Auflagen waren klar und biologisch absolut sinnvoll:

    1    Schonfrist: Arbeiten nur im August/September (außerhalb der Amphibienwanderung).
    
    2    Rückzugsorte: Nur 2/3 der Fläche durften ausgehoben werden, damit der bestehende Bestand an Lebewesen im restlichen Drittel überleben kann.
    
    3    Wanderhilfe: Der Aushub musste direkt daneben gelagert werden, damit Kleinorganismen die Chance haben, zurück in den Teich zu wandern.

 

Der Wettlauf gegen den Regen

Dann ging es los. Es war ein echtes Familien- und Nachbarschaftsprojekt! Manuel Wintergerst (Baggerbetrieb Wintergerst aus Aitrang) hat die schweren Maschinen meisterhaft dirigiert. Sein Schwager Thomas am Traktor, Max und ich im fliegenden Wechsel zwischen zweitem Schlepper, Kipper und Minibagger. Sogar mein Papa hat es sich nicht nehmen lassen, mit dem Engert’schen Minibagger die Schaufel zu schwingen.

Solche Momente machen mich stolz — wenn Generationen gemeinsam an etwas arbeiten, das bleiben wird.

Der Ablauf war präzise:

    •    Umrisse der Flach- und Tiefwasserzonen festlegen.
    
    •    Humus- und Pflanzenschicht abtragen.

    •    Separates Lagern neben dem Teich
    
    •    Lehmschicht freilegen, um den Teich neu zu modellieren und abzudichten.
    

Wenn die Natur Regie führt...

Hier hat uns die Realität eines Landwirts eingeholt: Der August-Regen! Der Lehm war so feucht, dass er sich nicht verdichten ließ. Weder die geliehene Rammax noch der kleine Stampfer von Manuel hatten eine Chance.

Wir haben den wertvollen Lehm direkt am Teich gelagert und sicher mit Planen abgedeckt.

 

Ein riesiges Dankeschön!

Ein Projekt dieser Größenordnung stemmt man nicht allein.

    •    Bisher haben wir 3.248,70 € in die Baggerarbeiten investiert. Danke Manuel für Dein flexibles und präzises Arbeiten und die gute Stimmung!
    
    •    Ein von Herzen kommendes Danke an meine Eltern für Eure tatkräftige Unterstützung und die gespendeten Stunden des Minibaggers!
    
    •    Und ein riesiges Vergelt’s Gott an Eduard Fröhlich von der Kiesgrube Wenglingen, der uns den zweiten Schlepper großzügig zur Verfügung gestellt hat! 
    

Eure Unterstützung macht diesen wertvollen Beitrag für unsere Natur erst möglich!

 

Jetzt heißt es: warten können

Renaturierung hat viel mit Geduld zu tun.

Wir warten aktuell auf eine stabile Trockenperiode. Sobald der Teich trocken genug ist, wird der Lehm eingebaut und verdichtet – dann kann das Wasser endgültig zurückkehren.

Und mit ihm das Leben.

Vielleicht dauert es nicht lange, bis wieder Laubfrösche rufen, Libellen tanzen und Molche durch das klare Wasser ziehen.

Darauf freue ich mich mindestens genauso sehr wie auf einen ganz bestimmten Moment:

Wenn meine Tochter und Eduards Enkel gemeinsam mit den Kindern aus dem Dorf wieder auf einem Floß über den Teich fahren.

Denn echte Renaturierung bedeutet nicht nur, Lebensräume für Tiere zurückzubringen.

Sondern auch Orte, an denen neue Kindheitserinnerungen entstehen.


Euer Christoph

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